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Die Flo in meinem Ohr

Die Flo in meinem Ohr

Rike Reinau und Florentine Kessler, eine Autorin begegnet ihrer Figur.

Das Interview

Frau Reinau und Frau Kessler, Sie beide haben bereits viel Zeit miteinander verbracht und doch lernen Sie sich in diesem Moment erstmals persönlich kennen. Was ist das für ein Gefühl?

Rike: Nun ja, ich würde sagen, es entspricht dem Titel des Romanes. Wir sind vertraute Fremde, eine dieser Contradictios, die genau genommen keine ist.

Flo: Und ich weiß jetzt, dass ER oder SIE in meinem Fall eine SIE ist.

Frau Reinau, wie kam es zu dem Roman?

Rike: Begonnen hat alles mit einer Kurzgeschichte. Singleparty hieß sie und sie ist heute das erste Kapitel des Romans. Ich habe sie in Schreibforen vorgestellt und auf Bühnen gelesen und immer wieder kam der Rat: Mensch Rike, mach doch da einen Roman draus. Erst habe ich mich gesträubt, weil ich dachte, so ein Gelaber kann ich keine hundert Seiten durchhalten, aber dann habe ich weiter geschrieben und plötzlich ging es wie von alleine. Meine Leser haben mir also diese Flo ins Ohr gesetzt.

Ihr Roman hat durchaus eine autobiographische Einfärbung. Ist er autobiographisch?

Rike: In jedem Roman steckt die Erlebniswelt des Autors ein stückweit mit drin. Natürlich gibt es in diesem Roman Parallelen zu meinem Leben, welche wird nicht verraten. Aber insgesamt ist die Handlung frei erfunden. Das ist ja das Schöne am Schreiben. Ich kann die Welt erfinden, wie sie mir gefällt.

Flo: Entschuldigen Sie, dass ich mich einmische. Natürlich handelt es sich bei dem Werk um eine Biographie. Nämlich um meine. Und ich weigere mich entschieden, dass mein Leben als Kopie der Lebenswelt meiner Schöpferin abgetan wird. ICH erlebe all den Mist, und ich wünsche, dass das respektiert wird!

Entschuldigen Sie, Frau Kessler, so war das nicht gemeint. Wie sehr sind sie denn mit dem Leben zufrieden, dass Ihre Autorin Ihnen vorschreibt?

Flo: Ich glaube, ich habe es ganz gut getroffen. Meine Autorin stürzt mich zwar von einem Gefühlschaos ins nächste und lässt mich immer wieder in Fettnäpfchen treten, aber immerhin wurde ich noch nicht ermordet oder von einem Wahnsinnigen verfolgt, habe mich (glaube ich) noch in keinen Vampir verliebt, mir sind bisher keine Aliens begegnet, ich habe keine Superkräfte in mir entdeckt, keine geheime Mission zu erfüllen, ich bin keine psychopatische Massenmörderin und eine Zeitreise blieb mir auch noch erspart. Was ich erlebe, ist nur der ganz normale Wahnsinn einer Singlefrau auf der Suche nach ihrem eierlegenden Wollmilcheber. Aufregung genug! Trotzdem brauche ich mehr Freiraum! Ich will meine Persönlichkeit entfalten und beweisen, dass in mir mehr als eine Romanfigur steckt!

Rike: Ja, die Florentine hat ihren eigenen Kopf. Damit hatte ich beim Schreiben oft zu kämpfen. Irgendwann war es soweit, dass sie mir die Richtung vorgegeben hat, in die es gehen sollte. Da kam es zum Rollentausch. Die Schöpferin ließ sich von ihrer Schöpfung lenken. Eine bizarre Erfahrung. Trotzdem war ich froh, als es zu diesem Moment kam. Es zeigte mir, dass meine Figur stark genug und dieser Geschichte gewachsen war.

Sie scheinen einender ja zu mögen!

Rike: Natürlich mag ich Florentine. Keiner kennt sie so gut wie ich. Wir könnten Freundinnen sein. Ob sie mich mag? ich weiß nicht. Immerhin habe ich sie ins Leben gerufen. Vielleicht ist es für sie eher eine Mutterrolle. Da müssen sie sie selbst fragen.

Flo: Mögen? Sie mich oder ich sie? Ich gehe davon aus, dass sie mich schon mag. Ich glaube, ich habe Ähnlichkeit mit ihr. Vielleicht ist sie aber auch ein bisschen neidisch darauf, dass ich in meiner Lebenswelt für die Probleme Lösungen serviert bekomme, an denen sie ungelöst knabbern muss. Das unterscheidet eben die reale Welt von der literarischen. Ich mag sie schon, ja. Sie brockt mir zwar all diesen Mist ein, den ich erlebe, aber sie holt mich auch immer wieder raus. Da kann ich mich, glaube ich, auf sie verlassen.

Werden Sie weiter zusammenarbeiten?

Flo: Oh ja, ich hoffe doch. Ich habe mich noch lange nicht von allen Seiten gezeigt.

Rike: Klar, die letzte Seite ist noch längst nicht geschrieben. Aber die Fortsetzung ist in Arbeit …

 

 

 

 


4 Responses to Die Flo in meinem Ohr

  1. thomas Kappel

    Hallo Flo, Hallo Rike,

    ich habe einen Auszug aus deinem Buch während der Lesung im Nauwieser Viertel vor ca. 6 Wochen gehört und die Postkarte von deinem Roman mitgenommen. Dann habe ich mir die Leseprobe heruntergeladen und finde die Geschichte von Flo ziemlich amüsant. Jedenfalls möchte ich gerne wissen wie es weiter geht mit Flo, Alexander und Philipp. (Aus männlicher Sicht finde ich Philipp sympatatischer, Alexander scheint mir zu “perfekt” das findet “mann” eher seltsam…
    Jetzt habe ich auch für dein Buch bei epidu “gescoutet”. Wie geht es jetzt weiter? Kann ich das Buch schon irgendwo kaufen? oder vielleicht auch aus dem Internet laden?
    liebe Grüße

    Thomas

  2. rike678

    Hallo Thomas,

    wow, vielen Dank für dein Interesse an Flo und ihrer Welt. Dafür hat sich die Postkartenaktion auf jeden Fall gelohnt. Natürlich sollst du auch erfahren, wie es weiter geht. Mit deinem Scouting hast du schon ordentlich dazu beigetragen, dass meine Flo sich auf dem Lektorentisch behaupten kann. Wir sind seit Wochen auf Platz zwei! Juhu! Nun hilft nur noch Daumen drücken bis Ende April, dann erfahre ich, ob Flo nicht nur die Leser, sondern auch den Verlag überzeugen konnte und bald als Buch erscheinen wird! Ich halte dich auf dem Laufenden!

    Vielen Dank für deine Rückmeldung und das Mitfiebern
    Rike

  3. thomas Kappel

    Hallo Rike,

    danke für die schnelle Antwort. Zwischenzeitlich versuche ich gerade Bekannte von mir dazu zu bringen auch die Geschichte von Flo zu lesen und natürlich auch anschließend für dich zu “scouten” (ein furchtbares Wort!).
    Ich wünsche mir für dich, dass das Buch verlegt wird. Nicht zuletzt hoffe ich selber dass das Buch erscheint damit ich nicht so in der Luft hänge…

    Grüße

    Thomas

  4. rike678

    Lieber Thomas,

    dein Mitfiebern und Daumen drücken war erfolgreich, denn jetzt ist es offiziell: Flo wird verlegt! Mit etwas Glück kann man sie schon zur Frankfurter Buchmesse in Händen halten. Ich danke dir noch einmal. Eine persönliche Widmung ist dir sicher ;-)

    Liebe Grüße
    Rike

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