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Bestattung eines Hundes

Posted by on 18. September 2011

Niemals hätte ich dieses Buch gekauft, wenn es bei FÜNF BÜCHER nicht so vehement empfohlen worden wäre. Weshalb? Weil ich selbst einen Hund habe und falls er des Lesens mächtig ist (man kann nie wissen) würde ich mit der Lektüre eines solchen Titels in ihm sicherlich wüste Befürchtungen wachrufen.

Tatsächlich schickte er mir jedes Mal, wenn ich mit diesem Buch auf dem Sofa verschwand einen traurigen, vielleicht auch missbilligenden Blick hinterher. Wahrscheinlich aber nur, weil ihm bei dem Anblick des – zugegeben – unheimlich dreinblickenden Schwans auf dem Cover schwante, dass ihm dieses Ding vor meiner Nase auf unbestimmte Zeit meine Aufmerksamkeit entziehen wird. Ja, das Buch zog mich in seinen Bann und beschäftigt mich bis heute jedesmal wenn ich meinem vierbeinigen, schwarzen Köter zuschaue, wie er sich auf Stoppelfeldern wälzt und nach Mäusen buddelt. Dann muss ich an Lua denken. Lua, den treuen, dreibeinigen schwarzen Schäferhund, der einmal Lula hieß und ein gefährlicher vierbeiniger Wachhund war. Lua am Strand. Lua am Steg. Lua im Koffer. Lua überall dabei. Der Hund, der stumme Zeuge, der einzige Zeuge, der die ganze Wahrheit kennt. Lua, dessen Geschichte mir ein Tränchen entlockt hat.

Bevor ich Lua kennen lernen konnte, habe ich Daniel kennen gelernt. Daniel Mandelkern, Journalist, verhindertet Ethnologe, verheiratet, der eigentliche Protagonist dieses Romans. Doch kaum gelang es mir, meine eigene Lebenswelt hinter mir zu lassen, um mich in Mandelkerns Ehehickhack hineinzufinden, fand ich mich plötzlich in einer ganz anderen Geschichte und bevor ich wusste, wie mir geschieht, landete Mandelkern mit der Selbstverständlichkeit eines Unsichtbaren mittendrin in einer Küche auf einer kleinen Insel am Luganer See und mittendrin im Leben von Svensson, Lua, Tuuli, Felix und Kiki und mittendrin in einem Manuskript. Und ich, ich heftete mich still und heimlich an seine Fersen und obwohl wir uns nicht von der Stelle rührten, switchten wir hin und her zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität und schöpferischer Fantasie. Wir reisten nach New York, Brasilien, in die kälteste Silvesternacht, in den Europapark, wir erlebten Abenteuer, Lebenslust, Gefahr, Tod, Leben, Schicksalsschläge, Unfälle, Verlust, Trauer, Schmerz, Freude, Freundschaft, Eifersucht und Liebe. Und bei all diesen Einblicken in fremde Leben, und je mehr wir glaubten, die Zusammenhänge zu erkennen, und je befremdlicher oder bekannter uns die Geschichte vorkam – schließlich kamen Mandelkern und ich nicht umhin, nach den Zusammenhängen in unserem jeweils eigenen Leben zu suchen.

Die Sprache nüchtern, notizenhaft, fast flüchtig. Befremdlich manchmal. Dazwischen: Sätze, die treffen und lange nachklingen. Nebensätze. Klammersätze. “(Erinnerung ist Sperrgepäck)” zum Beispiel. Thomas Pletzinger zeigt, dass es keine großen Worte braucht, um Großes spürbar zu machen.

Darum mein Fazit mit Pletzingers Worten: “Bücher sind ein seitenlanges Abheben in ein anderes Leben, ein Außerkraftsetzen des eigenen Körpers für ein paar Minuten.”

Das ist Ihnen mit “Bestattung eines Hundes” geglückt, Herr Pletzinger! Vielen Dank!

 

 

 

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